Verstehen - Planen - Handeln: Gemeinderat Schenna arbeitet am Gemeindeentwicklungsprogramm

Der Gemeinderat von Schenna arbeitet intensiv am Gemeindeentwicklungsprogramm. In einer Klausurtagung wurden Daten, Fachwissen und Bürgeranregungen ausgewertet und zentrale Themen wie Wohnen, Landschaftsschutz und Tourismus im Gleichgewicht diskutiert. Ziel ist es, klare Leitlinien für eine nachhaltige Entwicklung des Dorfes zu erarbeiten – mit Maß, Weitblick und im Dialog mit der Bevölkerung.

Veröffentlichungsdatum:

27.08.2025

Lesedauer

3 Minuten

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Gruppenbild des Gemeinderates bei der Klausurtagung

Beschreibung

Der Gemeinderat von Schenna hat sich in einer Klausurtagung intensiv mit den Ergebnissen der bisherigen Analysen und Beteiligungsprozesse zum Gemeindeentwicklungsprogramm befasst. Daten, Fachwissen und Bürgeranregungen wurden gemeinsam ausgewertet und diskutiert. Das Programm ist ein Planungsinstrument, das alle Gemeinden in Südtirol erarbeiten müssen. Es dient dazu, die räumliche, wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung einer Gemeinde langfristig zu steuern und Entscheidungen auf eine fundierte Basis zu stellen.

Die Klausur war ein weiterer Baustein in einem Prozess, der bereits mit dem partizipativen Projekt „SCHENNA.WEITER.DENKEN“ begann, durch eine umfassende Mobilitätsstudie ergänzt wurde und zuletzt in der programmatischen Erklärung 2025–2030 das Wertegerüst und konkrete Leitlinien für die Arbeit der Gemeinde formulierte.

Moderiert von Sabina Frei, die auch die bisherigen Ergebnisse aus Bürgerräten und Arbeitsgruppen einbrachte, diskutierte der Gemeinderat gemeinsam mit Fachleuten aus Tourismus, Raumplanung, Architektur und Wirtschaft. Online zugeschaltet war der international tätige Landschaftsarchitekt Andreas Kipar (LAND), anwesend waren Helene Thierig und Alexander Schweitzer (Terra Institute), Philipp Rier und Peter Rier (LIA Collective) sowie Chiara Galimberti (LAND).

Wohnen – zwischen Bedarf und Realität

Ein zentrales Thema war der Wohnbau. Die Analysen zeigen deutlich: In Schenna wurde in den letzten Jahren mehr Wohnkubatur geschaffen, als es der reinen Bevölkerungsentwicklung entsprechen würde. Gründe dafür sind größere Wohnflächen pro Person, Zweitwohnsitze, touristische Nutzung und ein Markt, der sich oft stärker an Rendite und Wirtschaftlichkeit orientiert als am tatsächlichen Bedarf der einheimischen Bevölkerung. Diese Ambivalenz – der Anspruch auf leistbaren Wohnraum einerseits und eine Bauentwicklung, die häufig der Marktlogik folgt – stellt die Gemeinde vor zentrale Herausforderungen. Die entscheidende Frage lautet: Welche Hebel kann die Gemeinde gezielt nutzen, um den Wohnbau ressourcenschonend, flächensparend und auf die Bedürfnisse der ortsansässigen Bevölkerung auszurichten? Denn oft fehlen die wirksamen Einflussmöglichkeiten, um gegen Fehlentwicklungen steuern zu können.

Landschaft als Stärke – Entwicklung mit Augenmaß

Die einzigartige Landschaft Schennas ist ein entscheidender Standortfaktor und prägt nicht nur das Ortsbild, sondern auch das Selbstverständnis der Gemeinde. Sie gilt es zu bewahren und behutsam weiterzuentwickeln. Das bedeutet: Bodenverbrauch begrenzen, vorhandene Strukturen nutzen, die Balance zwischen Tourismus, Landwirtschaft und Lebensqualität im Dorf wahren.

Tourismus im Gleichgewicht

Der Tourismus ist eine tragende Säule der Wirtschaft in Schenna und bringt wichtige Impulse für Arbeitsplätze, Gastronomie, Handel und Handwerk. Mit über 1.000.000 Nächtigungen jährlich und einer Bettenanzahl (6.898), die weit über dem Landesdurchschnitt liegt, ist er neben der Landwirtschaft der stärkste Wirtschaftsfaktor des Dorfes. Diese Stärke birgt jedoch Herausforderungen: Verkehrsbelastung in Spitzenzeiten, der Druck auf Wohnraum durch touristische Nutzung und die Gefahr einer Übernutzung der Landschaft. Ziel ist es, die touristische Entwicklung so zu steuern, dass sie im Einklang mit den Bedürfnissen der Bevölkerung steht, die Lebensqualität bewahrt und der Charakter Schennas erhalten bleibt. Klare Grenzen bei Bettenanzahl und Flächenverbrauch sowie eine Ausrichtung auf Qualität statt Quantität sollen dabei zentrale Leitlinien sein.

Zentrale Leitfragen

Aus den Analysen und Diskussionen leitete der Gemeinderat konkrete Leitfragen und erste Lösungsansätze für die nächsten Arbeitsschritte ab:

•Wie steuern wir den Wohnbau bedarfsgerecht?

•Wo liegen Potenziale für Innenentwicklung und Nachverdichtung – ohne Verlust an Qualität?

•Wie definieren wir die Grenzen des zumutbaren Boden- und Ressourcenverbrauchs?

•Wie viele öffentliche Grünflächen haben wir und wie viele brauchen wir?

•Wie halten wir die Balance zwischen touristischer Entwicklung und Lebensqualität im Dorf?

•Welche Infrastruktur und Begegnungsräume braucht Schenna, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken?

Gemeinsam gestalten

Bürgermeisterin Annelies Pichler betonte: „Wir überlassen die Zukunft nicht dem Zufall – wir gestalten sie Schritt für Schritt, mit klaren Rahmenbedingungen, Zielen, Maß und Weitblick.“ Dabei sei es wichtig, den Dialog mit der Bevölkerung und den Interessengruppen fortzuführen: „Nur wenn wir verstehen, können wir auch gemeinsam handeln.“

Das Gemeindeentwicklungsprogramm für Schenna wird nun weiter erarbeitet. Mit jedem Schritt werden die Inhalte konkreter – von der grundlegenden Vision über thematische Schwerpunkte bis hin zu den urbanistischen Planungsinstrumenten, die am Ende die verbindliche Grundlage für die Entwicklung des Dorfes bilden.


Kontakt

Gemeinderat

ERZHERZOG-JOHANN-PLATZ 1, 39017 SCHENNA+39 0473 945 621info@schenna.eu

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Zuletzt aktualisiert: 27.08.2025, 08:40 Uhr

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